Anina von Molnar
Über den repräsentativen Eingang eines herrschaftlichen Altbaus im Herzen von Augsburg gelangt man in Anina von Molnars Studio, Zeitreise inbegriffen. Das charmante Studio mit Ausblick ins Grüne ist noch original so erhalten, wie es vom Architekturbüro Jack und Wanner um die Jahrhundertwende für die damalige Hausbesitzerin gebaut wurde: Sie leistete ganz fortschrittlich Körperbewegungsarbeit und gab Massagen.
Körperschule und Yoga-Babys
Diese bezaubernden Räume werden von Anina, einer gebürtigen Amerikanerin, nun für Yogastunden, Modern Dance-Klassen oder Gyrotonic®-Individualtraining genutzt. Neben "normalen" Yogastunden bietet die ausgebildete Yogalehrerin mit den braunen Locken auch
Yoga rund um die Schwangerschaft an, in Kursen die prä- und postnatal belegt werden können und ganz besonders auf die jeweiligen Bedürfnisse der Übenden eingehen: Entspannung, Loslassen und Stärkung verschiedener Muskeln, die für die Geburt wichtig sind sowie postnatal – mit Baby natürlich – die Wiedererlangung der allgemeinen Muskelspannung und der Wunsch, diese Zeit so stressfrei wie möglich zu erleben. Gyrotonic® erlernte die Solotänzerin während ihrer aktiven Bühnenzeit noch bei dem Entwickler dieser Methode, Juliu Horvath in New York. Diese Technik wird in Einzelstunden an einem speziellem Gerät ausgeführt und löst in kreisenden, spiralförmigen Bewegungen Verengungen von Bändern und Muskeln, um einerseits den Energiefluss im Körper zu stärken, aber anderseits auch Ausdauer und Flexibilität zu fördern.
Körper schult Geist
Dieses Körperarbeitsangebot runden die ganzheitlichen Massagen ab, die die leidenschaftliche Wahlaugsburgerin mit Elementen des Langstreichens, der Tiefen-Bindegewebebewegung, von Shiatsu und der Akupressur ausführt. Momentan unterrichtet Anina eine Modern Dance-Klasse, doch auch beim Tanz zeichnet es sich ab, dass es ihr immer wichtiger wird, den "Spirit of Yoga" zu integrieren. Verschiedene Workshops veranstaltet sie hierzu immer wieder: "Modern Dance with the Spirit of Yoga with the Spirit of Modern Dance". Damit gibt sie weiter, was ihr in der Körperarbeit am Herzen liegt: Über das Erlernen von Schrittfolgen und Armchoreographien hinaus eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, dem eigenen Selbst. Der Geist des Yoga im Tanz, getanztes Yoga, Selbstrecherche.
"Augsburg ist für mich eine Perle"
Zunächst meint man, dass die ehemalige Solotänzerin und zuletzt choreographische Assistentin und Coach am Stadttheater Augsburg "jetzt halt" Yogastunden gibt. Aber wenn man genauer hinschaut, hat sich nur die "Draufsicht" verändert. Anina macht, was sie schon immer macht: Tanzen, Yoga und Meditation. Und seit zwölf Jahren Gyrotonic. Nach ihrer aktiven Zeit als Tänzerin (ihre Vita liest sich beeindruckend: u.a. New York, Bolschoi-Theater, Zürcher Opernhaus) und zuletzt acht Jahre lang als Solotänzerin und Ballettassistentin in Augsburg, verschoben sich die Schwerpunkte und Ansätze. Doch dies, was ihr am Herzen liegt, was sie macht, möchte sie weiterhin mit anderen teilen. Und macht dies nun, indem sie Kurse gibt. Auf meine Frage, wie man denn von New York in Augsburg landet, lachte sie und es entspann sich ein langes, herzliches Gespräch. Der Weg war weder geradlinig noch geplant, teilweise auch sehr holprig und die Entscheidung zuletzt Zürich zu verlassen fiel ihr sehr, sehr schwer. Doch angekommen in Augsburg, wusste sie: "Augsburg ist für mich eine Perle". Als sie von der Zeit am Stadttheater Augsburg erzählt, leuchten die braunen Augen der quirligen Amerikanerin, in Erinnerung an diese intensiven Jahre mit Choreograph Jochen Heckmann und der ganzen Balletttruppe.
Die Kunst lebt weiter
Nach dem Ende ihrer Assistenzzeit am Stadttheater pausierte der Tanz in Aninas Leben eine kurze Weile, doch die Kunst, die kreative Auseinandersetzung fehlten ihr. Ein glücklicher Zufall führte dann die jetzt 43-Jährige mit Stefanie Sixt zusammen. Mit ihr, der visuellen Artistin, erfolgreichen Regisseurin und Produzentin, die reihenweise Preise für ihre künstlerischen oder kommerziellen Filme und Clips erntet, sponn Anina in einem Brainstorming bis morgens früh um sechs Ideen für den Film "Alabama". Darin tanzt Anina in einer eigenen Choreographie leidenschaftlich zum Alabama-Song aus der Brecht/Weill-Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" vor auf ihr pojeziertem, filmischem Archivmaterial, sowie typografischen Elementen, die das Zeitgeschehen der späten 1920er Jahre dokumentieren.
Der allbekannte Alabama-Song ("Show us the way to the next whiskey bar") wird interpretiert von Sängerin Eva Gold mit ihrer Band Misuk, arrangiert mit Klangcollagen von Lotte Lenyas-Interpretation des Songs in einer Aufnahme von 1956. (Wegen der Brecht-Nutzungsrechte ist der Kurzfilm leider nicht im Internet zu sehen.) Übrigens sang auch schon Aninas Großmutter, eine Opernsängerin, die Jenny in der Brecht/Weill "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, was sie bei Recherchen zu diesem Film erfuhr. Neben "Alabama" tanzte Anina im Musikvideo von Pop-Chanteuse Lydia Daher zu deren Song "Flüchtige Bürger" (Regie: Stefanie Sixt, Produktion: sixt Sense).
Tanzen in Echtzeit
Die Zusammenarbeit mit Stefanie Sixt beschränkt sich nicht nur auf Filme, auch als Live-Performances ist Tanz mit Visual Art erlebbar, "The visual Rhythm of Dance" wurde anlässlich des Modularfestivals im Höhmannhaus gezeigt, eine weitere Vorstellung erwartet uns im Oktober 2010 im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst. Doch auf der Bühne dürfte man von der umtriebigen Tänzerin bald andere Seiten kennen lernen: Als Sängerin stand sie schon zusammen mit Bebop Deluxe vor dem Mikrophon, fand Gefallen daran und nun nimmt sie weiterhin Gesangstunden. Wir können gespannt bleiben, was als nächstes kommt!
Kontakt:
Anina von Molnar
www.integralarts.de
Fotos ©
(Tanz) Jörg Maxzin
(Rest) Stefanie Kroth



