"Organisch ist alles in Ordnung!" (Teil 3)
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Was Ihr Arzt damit meint ist, dass die Ursache Ihrer Beschwerden psychisch ist. An dieser Stelle sollten Sie Ihrem Arzt einmal die Frage stellen, ob aus seiner Sicht das Gehirn kein Organ sei. Es zeigt aber auch, dass in vielen Ärzten noch immer Überbleibsel der dualistischen Körper-/Geist-Diskussion stecken.
Die Mechanismen, die zu einer Depression führen, sind derart kompliziert, dass wir erst seit kurzem hoffen dürfen, mit modernen Methoden der Biologie und anderer Naturwissenschaften ihre Entstehung zu entdecken.
Gigantisches Netzwerk
Betrachten wir das Gehirn etwas genauer, sind dort rund 100 Milliarden Gehirnzellen, die in Ihrer Funktion sowohl im Zellinneren als auch in ihrer Wechselbeziehung zu anderen Zellen stehen. Dieses gigantische Netzwerk zu verstehen ist daher von seinem Schwierigkeitsgrad her durchaus vergleichbar mit den zu lösenden Aufgaben über die Funktionsweise des Weltalls.
Unser Gehirn wiegt zwar nur rund 1,5 kg und macht somit an unserem Gesamtgewicht nur ca. 2% aus, dennoch müssen je nach Körpergröße zwischen 0,8 und 1,2 Liter Blut pro Minute durch die feinen Gefäße unseres Gehirns fließen, damit genügend Sauerstoff zur Verfügung steht.
Dabei verbraucht unser Gehirn fast die Hälfte der in das Blut freigesetzten Glukose, also Blutzucker. Da das Gehirn selbst keine Energievorräte anlegen kann, ist es gegenüber einem Mangel an Sauerstoff oder Blutzucker besonders empfindlich. Schon geringe biochemische Veränderungen können daher bereits psychische Erkrankungen auslösen.
Ganzheitliche Betrachtung und Behandlung
Während sich der Zellbiologe mit der Entstehung Krankheit verursachender Mechanismen auf Zellebene beschäftigt, befasst sich der Psychologe mit den Bedingungen für Erleben und Verhalten. Wichtig ist zu erkennen, dass Zellbiologen, Biochemiker, Genetiker und Psychologen sich auf dem gleichen Terrain bewegen – Abgrenzungsversuche wären völlig kontraproduktiv.
Wie bei vielen anderen Phänomenen des Lebens, kommt es auch hier auf die richtige Mischung an – hier eben die Mischung der verschiedenen Disziplinen.
Was aber noch wirkungsvoller als die beste Therapie ist, ist die Prävention. Wenn wir es schaffen unser Leben so zu gestalten, dass wir unserem Gehirn keinen zusätzlichen Grund geben, psychische Krankheiten ausbrechen zu lassen, könnten wir von vielen unangenehmen Dingen verschont bleiben.



