Über ein anderes Silvester
Gerade, wenn man denkt, es geht nicht unterirdischer, wird es überirdisch. So erging es mir im vergangenen Jahr an Silvester. Erst war ich todtraurig, weil ich auf keiner Party tanzte, in keinem In-Lokal gesehen wurde und nicht am Bismarck-Turm Böller schoss. Und dann wurde der Silvesterabend bei zwei guten Freunden in ganz kleinem Kreis einer meiner schönsten Erinnerungen.
Klar, an Silvester soll mit Zuversicht und guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet werden. Knaller, Bleigießen und Feuerwerk. Aber auf der anderen Seite: Patrick Lindner, ein Schlagerstar, (ich oute mich als Fan) ist ein bekennender Silvester-Muffel. Er mag keine großen Silvesterpartys, sondern hat es lieber gemütlich. „Ich bin nicht der Typ, der es am Jahresende gerne so richtig krachen lässt. Silvester bin ich eigentlich eher am liebsten ganz privat daheim und hab's gemütlich“, sagte der 49-Jährige. „Silvester ist so kommerziell, überall ist es wahnsinnig teuer. Eigentlich steht alles voller Erwartungen, die dann nicht erfüllt werden, und ich habe festgestellt, die Abende vor Silvester waren sowieso oft viel lustiger und gemütlicher als der Silvesterabend.“
Klingt gut. Vielleicht sollte ich das auch probieren. Obwohl es mir mulmig ist. Ich, die ich nun 46 Jahre Highlight und Konfetti hinter mir habe. Ruhig und besinnlich? Na, mehr als ein langweiliger Abend kann ja nicht daraus werden... Zwei Freunde von mir haben auch nichts Besonderes vor, wollen auch mehr auf „ruhig“ machen, also schließen wir uns zusammen. Engelskarten legen steht auf unserem „Plan“, mehr nicht.
Hütchen-Essen mit orientalischem Charme
Ich komme gegen sieben Uhr. Meine Freundin hat einen wahnsinnig schönen Tisch gedeckt. Mich erwartete ein traditionelles Hütchen-Essen. Nein, dabei muss man nicht seinen Hut essen, es ist eine Art Fondue, jedoch ohne Fett. Ein lustiges Erlebnis für alle! Definitiv ein Erlebnis der besonderen Art. Orientalischer Charme und Lagerfeuer-Romantik in Einem. Am Hut selbst wird feingeschnittenes, zartes Rinds-, Schweine-, und Geflügelfleisch knusprig gebraten. In der Krempe des Hutes, der Saftrinne, köchelt in der Brühe feingeschnittenes Gemüse. Ein äußerst geselliges Essen war das. Da bleibt viel Zeit zum Erzählen.
Eingedenk des Silvestertages drehten sich unsere Gedanken um Dinge, die wir erlebt hatten, was sie uns sagen wollen, was wir damit anfangen.... Das heißt, wir drei sind uns einig, dass nichts im Leben zufällig passiert, und dass alles, was uns im Leben passiert, einen tieferen Sinn und eine Absicht hat. Das gilt auch, wenn es auf den ersten Blick vielleicht "ganz schlimme Dinge" sind. Mein Freund führte das sehr schön aus: „Das, was wir da erleben, sind Projektionen von unserem Inneren! Das muss man sich so vorstellen: Wir sind ein Projektor und in unserem Inneren der Psyche läuft ein Film und der Projektor (unser Lebensprozess) wirft es an die Wand also in unser Leben im Außen. So drehen wir alle unseren Lebensfilm. Das was in unserer Psyche ist, wird sich im Leben irgend wann mal zeigen. Wir können selber beurteilen wie unser Leben ist und ob der Film, den wir gerade drehen, ein schöner Film oder ein weniger schöner Film ist.“
Selbstverantwortung
Ein erfreulicher Gedanke... für alle Erlebnisse, die gerade am Silvester-Abend Revue passieren, sind wir selbst verantwortlich. – Und können sie ändern, wenn wir sie nicht mögen. Wir sind also der Regisseur unseres eigenen Lebens. Wir müssen vielleicht nur die Perspektive oder die Kameraführung ändern... Das Essen zog sich – aus guten Gründen - noch länger hin, hatten ja ein super-interessantes Gesprächsthema! Aber wir wollten ja noch Engelskarten ziehen. Die Engel haben Botschaften für uns, sie sprechen zu uns - aber diese Nachrichten nehmen wir heute leider oft nicht mehr so deutlich wahr. Wir zogen jeder eine Engelkarte und ließen uns dabei von unserer Intuition leiten: Wir versuchten, die Energie der Engel wahr zu nehmen ließen ihre Botschaft und die Ausstrahlung der Engelbilder auf uns wirken. Einfach nur schön. Eine fühlbare Ruhe lag im Raum. Wir alle waren glücklich. Da war er auch schon – der erwartete Mitternacht-Turmuhrschlag. Im Garten schauten wir kurz dem Feuerwerk zu, dann machte ich mich mit dem Auto auf den Heimweg. Ich fuhr durch das inzwischen still gewordene Augsburg und war einfach nur glücklich. Friedlich, ruhig, mit seligem Lächeln. Ja, das neue Jahr konnte beginnen!
Fotos von Christine Hornischer, privat
Engel: © markan666_pixelio.de



