Die alte Sache mit den neuen Vorsätzen
Jedes Jahr um Silvester herum das gleiche Ritual: Die Frage nach den guten Vorsätzen. Und jedes Jahr beschleicht die meisten von uns ein eher ungutes Gefühl. Hätte ich doch… Ich wollte ja eigentlich… Das einzig beruhigende für Viele, ist zu erfahren, dass es den anderen auch nicht anders erging. Man hat sich zuviel vorgenommen, es kam was ganz Wichtiges dazwischen, das Wetter war einfach viel zu schlecht oder dann war da auch noch die Preiserhöhung im Fitnessclub.
Smarte Ziele
Wie wir uns richtige Ziele setzen, dafür gibt in fast allen gedruckten und virtuellen Medien Unmengen von Tipps, Regeln und Hinweise. Eine der bekanntesten Formeln für ein wohl formuliertes Ziel ist sicher SMART. Dabei stehen die Anfangsbuchstaben für Kriterien, die eine Zielformulierung beinhalten sollte:
S steht für spezifisch (konkret, eindeutig, präzise und positiv)
M für messbar (überprüfbar)
A für attraktiv (motivierend und selbst erreichbar)
R für realistisch (dennoch herausfordernd)
T für terminierbar (klar definierte Zeitangaben)
Das klingt alles ganz rational und bei vielen herrscht auch die Meinung vor, dass Ziele eine Sache des Verstandes seien. Die Meinung, dass alles ginge, wenn man nur richtig wolle, ist weit verbreitet. Würde diese Aussage aber wirklich zutreffen, so wäre doch angesichts vieler Statistiken der Umkehrschluss dieser: Anscheinend wollen die meisten Menschen nicht so richtig.
Es klappt trotzdem nicht?
Die Erkenntnisse der Gehirnforschung und anderer wissenschaftlichen Zweige beweisen: Unsere Entscheidungen und Handlungen sind ein individueller Mix aus Ratio und Emotio, Bewusstsein und Unbewusstsein sowie egoistischer und sozialer Prägung. Und diese einzelnen Faktoren sind für jeden Menschen äußerst unterschiedlich und eben sehr persönlich und individuell.
Tatsache ist, dass wir mehr von unserem Unbewussten besteuert werden, als uns vielleicht manchmal lieb ist. Halten wir uns vor Augen, dass unser Gehirn ungefähr 20% der Energie, die wir über Nahrung zu uns nehmen, verbraucht. Damit erklärt sich auch, dass es ein großes Interesse hat, möglichst viele Handlungsabläufe zu automatisieren, also im Unbewussten ablaufen zu lassen. Oder denken Sie heute noch darüber nach, welche konkrete Muskelbewegungsabfolge Sie einhalten müssen, um einen Gang beim Autofahren einzulegen?!
Dieser Automatismus ist für viele Lebenslagen absolut sinnvoll und nützlich. Erst wenn es darum geht unsere Gewohnheiten zu verändern oder etwas Neues zu tun, kommt er uns in die Quere.
Besonders deutlich macht das nochmals folgende Zahl: Unser Gehirn erhält pro Sekunde über unsere Sinnesorgane etwa 11 Millionen Bits (das sind 1,4 Megabyte) an Informationen. Von dieser ungeheuren Menge verarbeiten wir jedoch bewusst nur ca. 40 Bits (das ist z.B. eine achtstellige Zahl wie eine Telefonnummer).
Bemerkenswert ist allerdings, dass unser Bewusstsein – wenn erst einmal eine Entscheidung gefallen ist – sich diese Entscheidung selbst zuschreibt, so als gäbe es nur diese eine Instanz.
Man könnte also fast meinen, dass unser Bewusstsein ein Marketinggag der Evolution ist, damit wir glauben, dass wir Entscheidungen bewusst treffen.
Der Trick
Doch für die neuen guten Vorsätze heißt das, wenn unsere unbewussten Motive, nicht mit unseren bewussten Zielen übereinstimmen, wird es vermutlich nur ein nie umgesetzter Vorsatz bleiben.
Wie findet man also nun heraus, welche Dinge einen motivieren und welche für die Zielerreichung eher hinderlich sind?
Wenige Menschen haben eine Liste mit ihren persönlichen Werten und Motivatoren. Doch genau diese zu kennen, ist die erste Aufgabe. Gerade, wenn es bisher nicht so mit der Zielerreichung geklappt hat.
Analysieren Sie ganz selbstkritisch und ehrlich Ihren bisherigen Ziele oder erfolgreiche Ereignisse in Ihrer Vergangenheit. Je mehr Beispiele Sie finden, desto eher wird sich zeigen, was es in den jeweiligen Situationen war, das Sie angetrieben hat, was Ihnen in diesen Momenten besonders wichtig war. Und das sind entscheidende Hinweise auf Ihre vielleicht noch unbewussten Motive.
Es ist ein wenig Forschungsarbeit und ein Prozess, der äußerst erkenntnisreich und damit auch wertvoll für die künftigen Ziele sein kann.
Die ruhige Zeit zwischen den Jahren bietet sich geradezu an, damit zu beginnen.
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